US/GB-Studie: Menschen die an Verschwörungstheorien glauben sind vernünftiger

For­schung und Wis­sen 21. Dezem­ber 2014 Von: Den­nis L.

Ver­rückt oder nicht?

Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker sind doch alle ver­rückt, oder? Viele hal­ten Men­schen die an Ver­schwö­rungs­theo­rien glau­ben für Spin­ner, aber eine neue Stu­die aus den U.S.A. und Groß­bri­tan­nien zeigt: Genau das Gegen­teil ist der Fall.

Dazu sagte Her­mann Scheer (ehe­ma­li­ges Mit­glied des Bun­des­ta­ges) in fol­gen­dem Video:

»ES GIBT VERSCHWÖRUNGEN+DER FEIND SITZT INNEN«

Anschläge auf das World Trade Cen­ter am 11. Sep­tem­ber 2001. © Robert J. Fisch / wikipedia.org

(U.S.A. / Groß­bri­tan­nien).Eine For­scher­gruppe aus den U.S.A. und Groß­bri­tan­nien, haupt­säch­lich beste­hend aus Psy­cho­lo­gen und Gesell­schafts­wis­sen­schaft­lern, haben eine neue Stu­die vor­ge­stellt, wel­che dar­auf schließt, dass Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker ent­ge­gen allen Mainstream-Stereotypen ver­nünf­ti­ger sind als Men­schen, wel­che die offi­zi­elle Ver­sion nicht hin­ter­fra­gen und umstrit­tene oder beschtrit­tene Ereig­nisse ein­fach akzeptieren.

Die Psy­cho­lo­gen Michael J. Wood und Karen M. Dou­glas haben ihre Stu­die an der Uni­ver­sity of Kent in Eng­land ver­öf­fent­licht – eine sozi­al­psy­cho­lo­gi­sche Stu­die von Online-Diskussionen über Ver­schwö­rungs­theo­rien zu den Anschlä­gen am 11. Sep­tem­ber. Die For­scher ver­gli­chen dazu Kom­men­tare auf Nach­rich­ten­sei­ten. Sie unter­teil­ten dazu die Nut­zer­kom­men­tare in kon­ven­tio­nelle, ver­schwö­rungs­theo­re­ti­sche und anti-verschwörungstheoretische Kommentare.

Wie die For­scher im Fach­ma­ga­zin PubMed.gov sagen, waren sie über­rascht, dass wesent­lich häu­fi­ger ver­schwö­rungs­theo­re­ti­sche Kom­men­tare als kon­ven­tio­nelle Kom­men­tare abge­ge­ben wer­den. Von 2.174 gesam­mel­ten Kom­men­ta­ren wur­den 1.459 als ver­schwö­rungs­theo­re­tisch und nur 715 als kon­ven­tio­nell eingeordnet.

Men­schen, die den offi­zi­el­len Bericht über den 11. Sep­tem­ber favo­ri­sier­ten, waren im All­ge­mei­nen feindseliger

Das Ver­hält­nis der Men­schen, die Nach­rich­ten­ar­ti­kel kom­men­tie­ren und die der offi­zi­el­len Dar­stel­lung der Regie­rung über Ereig­nisse wie den Anschlä­gen vom 11. Sep­tem­ber oder der Ermor­dung von John F. Ken­nedy nicht glau­ben und der Men­schen, wel­che den publi­zier­ten Geschich­ten der Mainstream-Medien glau­ben liegt damit bei 2:1. Dies bedeu­tet, dass die ver­schwö­rungs­theo­re­ti­schen Kom­men­tare mitt­ler­weile zum Aus­druck brin­gen, was als all­ge­meine Weis­heit gilt.

Die Gruppe der Men­schen, die der offi­zi­el­len Ver­sion glau­ben – wel­che im Inter­net eine deut­li­che Min­der­heit dar­stellt – rea­giert auf die Kom­men­tare anders Den­ken­der oft­mals ver­är­gert, ange­wi­dert oder gar aggres­siv. Die For­scher ver­mu­ten dahin­ter Frust, dass die Aus­sa­gen der alt­ein­ge­ses­se­nen Mainstream-Medien unter Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­kern nicht mehr akzep­tiert werden.

In der Stu­die heißt es, dass „Men­schen, wel­che die offi­zi­elle Dar­stel­lung über den 11. Sep­tem­ber favo­ri­sier­ten, im All­ge­mei­nen einen feind­se­li­ge­ren Ton anschlu­gen, wenn sie ver­such­ten, Anders­den­kende zu über­zeu­gen“. Diese Men­schen schlu­gen in ihren Kom­men­ta­ren nicht nur einen feind­se­li­gen Ton an, sie hal­ten die offi­zi­elle Ver­sion oft­mals sogar für unan­fecht­bar wahr – anders als die Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker, die oft­mals wei­te­ren Theo­rien offen gegen­über stehen.

Dies hängt auch damit zusam­men, dass die Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker gar nicht behaup­ten, dass sie die Wahr­heit zu den Gescheh­nis­sen des 11. Sep­tem­bers ken­nen. Sie zwei­feln ledig­lich die offi­zi­elle Ver­sion der Regie­rung an – und das mit Argu­men­ten, wel­che wie­derum von der ande­ren Seite fehlen.

Info­krie­ger statt Verschwörungstheoretiker

Die Stu­die hat zudem gezeigt, dass Men­schen, wel­che die offi­zi­elle Ver­sion anzwei­feln nicht gerne als Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker bezeich­net wer­den — viel­mehr sehen sie sich als soge­nannte Info­krie­ger. Der Poli­tik­wis­sen­schaft­ler Lance de Haven-Smith erklärt, dass dies mit der CIA-Kampagne mit dem Begriff „Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker“ zusam­men hängt. Mit die­ser Kam­pa­gne soll angeb­lich der Name Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker bzw. Ver­schwö­rungs­theo­rie in der Öffent­lich­keit lächer­lich gemacht wer­den. So wer­den Men­schen, wel­che die offi­zi­elle Ver­sion einer Regie­rung anzwei­feln, öffent­lich als Spin­ner ange­se­hen und man schenkt ihnen so kein Gehör. Laut Lance de Haven-Smith ist dies wohl eine der erfolg­reichs­ten Propaganda-Initiativen aller Zeiten.

Schaut man sich die Defi­ni­tion von dem Begriff Ver­schwö­rung an, so heißt es: „Eine Ver­schwö­rung ist ein heim­li­ches Bünd­nis meh­re­rer Per­so­nen mit dem Zweck, einen Plan aus­zu­füh­ren; die­ser kann ein selbst­süch­ti­ges, ver­werf­li­ches Ziel haben und den Scha­den ande­rer beinhal­ten, aber auch die Besei­ti­gung tat­säch­li­cher oder ver­meint­li­cher Miss­stände umfas­sen. Eine Ver­schwö­rung beruht also nicht not­wen­di­ger­weise auf mora­lisch nie­de­ren Moti­ven, sie basiert jedoch stets auf Geheim­hal­tung und Konspiration.“

Laut Lance de Haven-Smith hat es die CIA-Kampagne geschafft, Men­schen die einen gehei­men Plan ver­fol­gen und auf die­sen hin­wei­sen, als ver­rückt daste­hen zu lassen.