Schwedische Politikerin stößt kontroverse Diskussion über »Chemtrails« an.Bericht von R. Teichmann am 24.10.2012

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Die Vor­sit­zende der schwe­di­schen Umwelt­schutz­par­tei Miljöpar­tiet in der Stadt Vingåker, Per­nilla Hag­berg, löste in den eta­blier­ten Medien Schwe­dens eine hit­zige Dis­kus­sion über die so genann­ten »Chem­trails« aus. Eine breite öffent­li­che Debatte über diese rät­sel­haf­ten Flugzeug»abgase«, die über unse­ren Köp­fen künst­li­che Wol­ken bil­den, ist seit Lan­gem über­fäl­lig – nicht nur in Schwe­den, son­dern überall.

 Beach­ten sie auch unser Telefon-Interview mit deut­scher Über­set­zung mit Per­nilla Hag­berg Teil 1

Die Dis­kus­sion ent­brannte, als sich diese mutige Poli­ti­ke­rin zu einem Foto äußerte, auf dem Chem­trails zu sehen waren, die aber als »Kon­dens­strei­fen« bezeich­net wur­den. Im Fol­gen­den fin­den Sie die Über­set­zung des Zei­tungs­ar­ti­kels, der die Debatte aus­löste.[1]

»Abge­ord­nete von selt­sa­men Phä­no­me­nen überzeugt

Die Vor­sit­zende der Umwelt­schutz­par­tei in Kat­ri­ne­holm, Per­nilla Hag­berg, pro­tes­tierte gegen die Bild­un­ter­schrift eines Fotos, das in der Zei­tung Katrineholm-Kuriren abge­druckt wor­den  war und auf dem – so hieß es zumin­dest in der Bild­un­ter­schrift – [Flugzeug-] Abgase oder Kon­dens­strei­fen zu sehen waren. Nach ihrer Über­zeu­gung wer­den [durch Flug­zeuge] Viren und Schwer­me­talle [in der Atmo­sphäre] ver­sprüht, um das Wet­ter zu beeinflussen.

›So genannte Chem­trails ent­hal­ten ver­schie­dene Zusam­men­set­zun­gen che­mi­scher Sub­stan­zen und manch­mal sogar von Viren. Es ist schon beun­ru­hi­gend, sie an einem blauen Him­mel zu sehen und mit­zu­er­le­ben, dass sie sich dort den gan­zen Tag hart­nä­ckig hal­ten. Manch­mal kommt es vor, dass die Sonne den gan­zen Tag ver­deckt ist.‹ Per­nilla Hag­berg erklärte wei­ter, mit­hilfe von Chem­trails wolle man das Wet­ter kon­trol­lie­ren und die Son­nen­ein­strah­lung und die Natur beein­flus­sen. Sie wisse nicht genau, wer für diese Chem­trails ver­ant­wort­lich sei, nehme aber an, dass damit die Absicht ver­bun­den sei, die Kon­trolle über die glo­ba­len Märkte sowie über die Preis­ent­wick­lung bei Roh­stof­fen und Nah­rungs­mit­teln zu ver­stär­ken. ›Dinge die­ser Art wer­den von den USA und Russ­land gesteu­ert und ste­hen in Ver­bin­dung zum Mili­tär‹, fuhr Per­nilla Hag­berg fort.« (Katrineholms-Kuriren, 20. Sep­tem­ber 2012)

Zeit­gleich zum Erschei­nen die­ses Arti­kels grif­fen auch andere Zei­tun­gen die Mel­dung auf[2], aber man ver­mag leicht zu erken­nen, wie die eigent­li­che Aus­sage ver­dreht und ins Lächer­li­che ver­kehrt wurde, um Per­nilla Hag­berg zu diskreditieren:

»Poli­ti­ke­rin: CIA ver­sprüht Gift über Schweden

Über Schwe­den wer­den che­mi­sche Sub­stan­zen, Viren und Schwer­me­talle ver­sprüht –  durch die CIA und die Regierung.

So etwa könnte man die Auf­fas­sung der Vor­sit­zen­den der Par­la­ments­frak­tion der Umwelt­schutz­par­tei zusam­men­fas­sen. ›Wir müs­sen das tech­ni­sche Per­so­nal an den Flug­zeu­gen davon über­zeu­gen, der­ar­tige Con­tai­ner nicht mehr in die Flug­zeuge zu laden‹, erklärte Per­nilla Hag­berg.« (Afton­bla­det 20. Sep­tem­ber 2012)

Die Zei­tung Katrineholms-Kuriren ver­öf­fent­lichte die The­sen Hag­bergs, die von prak­tisch allen ein­schlä­gi­gen Wis­sen­schaft­lern als Ver­schwö­rungs­theo­rien zurück­ge­wie­sen wur­den, in der Donnerstag-Ausgabe:

»Frei­set­zung von Gift

Per­nilla Hag­berg sah ein Foto in der Zei­tung, in des­sen Bild­un­ter­schrift es hieß: ›Flug­zeug erzeugt Abgas­schwa­den oder Kon­dens­strei­fen‹. Aber nach ihrer Über­zeu­gung han­delt es sich bei die­sen Strei­fen um so genannte Chem­trails, d.h. Gifte, die von Flug­zeu­gen [in der Atmo­sphäre] aus­ge­bracht wer­den, um das Wet­ter gezielt zu beein­flus­sen. ›Dies ist heute in Schwe­den ein sehr ernst zu neh­men­des Phä­no­men. Diese Strei­fen ent­hal­ten eine Viel­zahl che­mi­scher Sub­stan­zen, Viren und Schwer­me­talle wie Alu­mi­nium, die das Wet­ter­ge­sche­hen beein­flus­sen sollen.‹

Es geht um Macht

Nach Per­nilla Hag­bergs Auf­fas­sung ste­hen die CIA und der ame­ri­ka­ni­sche Geheim­dienst NSA (Natio­nal Secu­rity Agency) hin­ter die­sen Vor­gän­gen. ›Die gezielte Beein­flus­sung des Wet­ter­ge­sche­hens und die Mög­lich­keit, dies zur Ver­fol­gung eige­ner Zwe­cke tun zu kön­nen, ist für Macht­struk­tu­ren sehr ver­lo­ckend und viel­ver­spre­chend. Auch die schwe­di­sche Regie­rung könnte daran betei­ligt sein‹, sagte sie.

For­de­rung nach Unter­su­chung der Angelegenheit

Sie betonte, sie äußere sich als Pri­vat­per­son und nicht als Ver­tre­te­rin der Umwelt­schutz­par­tei. Aber sie ver­sprach, sich im Falle ihrer Wie­der­wahl dafür ein­zu­set­zen, die Chem­trails zu stop­pen. ›Wir haben es hier mit einer sehr kon­tro­ver­sen und sen­si­ti­ven Pro­ble­ma­tik zu tun. Licht in diese Ange­le­gen­heit zu brin­gen, ist von gro­ßem Inter­esse. Ich kenne ver­schie­dene Poli­ti­ker, die die­ses Pro­blem gerne zur Spra­che brin­gen wür­den, sich aber nicht trauen.‹

Wie wür­den Sie jetzt wei­ter vor­ge­hen, um die Chem­trails zu stoppen?

›Zunächst müs­sen wir die Flug­zeug­tech­ni­ker davon über­zeu­gen, die Flug­zeuge nicht mehr mit die­sen Tank­con­tai­nern [mit den gefähr­li­chen Inhal­ten] zu bela­den. Im Kern geht es darum, seine eige­nen Ängste zu über­win­den.‹ Aber Per­nilla Hag­berg erhält von Meteo­ro­lo­gen nicht viel Unter­stüt­zung. Anette Levin vom schwe­di­schen Meteo­ro­lo­gi­schen und Hydro­lo­gi­schen Insti­tut SMHI erklärte: ›Ich glaube dies defi­ni­tiv nicht. Ich kann mir nicht vor­stel­len, dass irgend­je­mand das Wet­ter auf diese Weise beein­flus­sen will.‹

Ein­fa­che Erklärungsversuche

›Die Strei­fen, die man hin­ter einem Flug­zeug am Him­mel erken­nen kann, kön­nen auf ein­fa­che Weise erklärt wer­den‹, sagte sie wei­ter. ›Wenn der Flug­zeug­treib­stoff ver­brennt, ent­ste­hen kleine Par­ti­kel. Und wenn die Luft­feuch­tig­keit hoch genug ist, bil­den sich auf die­sen Par­ti­keln kleinste Was­ser­tröpf­chen, die dann als Kon­dens­strei­fen zu erken­nen sind. Manch­mal hal­ten sie sich lange Zeit, ein ande­res Mal lösen sie sich schnell wie­der auf. Das hängt alles von der Luft­feuch­tig­keit ab, in der sich das Flug­zeug gerade bewegt‹, erklärte Anette Levin.

Einige Mit­glie­der der Umwelt­schutz­par­tei haben sich von den Theo­rien Per­nilla Hag­bergs dis­tan­ziert. ›In Sachen Umwelt­schutz gibt es viele andere Pro­bleme, um die man sich küm­mern muss. Es hat kei­nen Sinn, sol­che abwe­gi­gen Dinge zur Spra­che zu brin­gen‹, kom­men­tierte Gudrun Lind­vall, die örtli­che Lei­te­rin der Umwelt­schutz­par­tei in Kat­ri­ne­holm gegen­über dem Katrineholms-Kuriren.«

Tat­sa­chen

Im Inter­net gedei­hen Verschwörungstheorien

»Chem­trails« gehö­ren zu einer im Inter­net weit ver­brei­te­ten Ver­schwö­rungs­theo­rie, nach der­che­mi­sche und bio­lo­gi­sche Gifte von Flug­zeu­gen in gro­ßer Höhe in der Atmo­sphäre ver­sprüht wer­den. Viele Anhän­ger die­ser Theo­rie sind über­zeugt, eine Ver­schwö­rung aus Beam­ten, Regie­run­gen und Sicher­heits­be­hör­den sei für die Frei­set­zung die­ser Gifte ver­ant­wort­lich. Die von den Flug­zeu­gen hin­ter­las­se­nen Strei­fen wer­den oft als »Beweise« ange­führt. Aber nach Anga­ben von Meteo­ro­lo­gen ent­ste­hen diese Strei­fen ganz nor­mal bei der Kon­den­sa­tion von Was­ser, wobei die Abgas­teil­chen als Kon­den­sa­ti­ons­kern die­nen. Für die Theo­rie von »Chem­trails« gebe es keine wis­sen­schaft­li­chen Beweise.

Jeder, der im Inter­net recher­chiert, fin­det schnell her­aus, dass Wet­ter­be­ein­flus­sung durch die Frei­set­zung von Sub­stan­zen aus Flug­zeu­gen seit mehr als 40 Jah­ren gang und gäbe ist.

Maß­nah­men die­ser Art sind z.B. unter der Bezeich­nung »Wol­ken­imp­fung« bekannt und wur­den in der Anfangs­zeit von klei­nen Flug­zeu­gen in gerin­ger Höhe durch­ge­führt. Heute wer­den Groß­flug­zeuge in gro­ßen Höhen ein­ge­setzt und man bezeich­net das Ganze als »stra­to­sphä­ri­sches Geo-Engineering« [d.h. als bewusste und groß­flä­chige Ein­griffe in geo­che­mi­sche oder bio­geo­che­mi­sche Groß­sys­teme]. Aus unab­hän­gi­gen For­schun­gen geht her­vor, dass Chem­trails Alu­mi­nium und Barium enthalten.

Selbst die ame­ri­ka­ni­sche Kriegs­ma­rine räumt ein, dass kleine Alu­mi­ni­um­par­ti­kel (so genannte »Chaffs«) ver­sprüht wer­den[3]. Ohne Zwei­fel beste­hen im Zusam­men­hang mit Chem­trails Ver­bin­dun­gen zum Mili­tär, man muss ledig­lich [im Inter­net­brow­ser] den Such­be­griff »Wea­t­her War­fare« (»Wet­ter­krieg­füh­rung«) ein­ge­ben und erhält bei­spiels­weise das fol­gende Ergeb­nis (Her­vor­he­bun­gen vom Verfasser):

»In einem For­schungs­bei­trag, der 1996 für die US-Luftwaffe ver­fasst wurde, wird über den zukünf­ti­gen Ein­satz von Nano­tech­no­lo­gie bei der Erzeu­gung ›künst­li­chen Wet­ters‹ spe­ku­liert. So sol­len Wol­ken mikro­sko­pisch klei­ner Com­pu­ter­teil­chen, die alle mit­ein­an­der kom­mu­ni­zie­ren, einen intel­li­gen­ten Nebel bil­den, der dann zu unter­schied­li­chen Zwe­cken ein­ge­setzt wer­den könnte. ›Der­zeit exis­tie­ren noch keine Tech­no­lo­gien zur Erzeu­gung künst­li­chen Wet­ters. Aber soll­ten sie ein­mal ent­wi­ckelt wer­den, stiege die Bedeu­tung ihrer poten­zi­el­len Anwen­dun­gen rasch an. Tech­ni­ken der Wet­ter­be­ein­flus­sung wer­den als ›Wir­kungs­ver­stär­ker mit einer enor­men Kraft‹ bezeich­net, die ›im gan­zen Spek­trum der Kriegs­schau­plätze ein­ge­setzt wer­den könn­ten‹[4]

Jeder, der immer noch an der Exis­tenz von Chem­trails zwei­felt, wie etwa die schwe­di­sche Meteo­ro­lo­gin, die die Aus­sage Per­nilla Hag­bergs bezwei­felte, ist ent­we­der schlecht infor­miert oder ver­sucht, eine mutige Poli­ti­ke­rin lächer­lich zu machen, die eine unbe­queme Wahr­heit aus­spricht. In die­sem Zusam­men­hang ist auch erhel­lend, dass Mit­glie­der der Miljöpar­tiet glau­ben, sich von den Erklä­run­gen Hag­bergs dis­tan­zie­ren zu müs­sen. Die Wahr­heit aus­zu­spre­chen kann heut­zu­tage für eine poli­ti­sche oder wis­sen­schaft­li­che Kar­riere gefähr­lich wer­den. Per­nilla Hag­berg ver­dient unsere volle Unter­stüt­zung. Sie errei­chen sie unter pernilla.hagberg@yahoo.com.

Ver­schwö­rung oder Verschwörungstheorie?

Chem­trails sind eine Tat­sa­che und keine Ver­schwö­rungs­theo­rie – die Unter­drü­ckung von Infor­ma­tio­nen zu die­sem Sach­ver­halt sei­tens der eta­blier­ten Medien und die Ver­su­che, alle die­je­ni­gen lächer­lich zu machen und per­sön­lich zu ver­un­glimp­fen, die es wagen, ihre Stimme zu erhe­ben, erfül­len aller­dings den Tat­be­stand einer Verschwörung.