Offene Tuberkulose TBC in Rheinland-Pfalz: Massentest eingeleitet

21. August 2016
Anste­ckende Krank­heit: Rund 100 Kin­der aus Kita wer­den auf Tuber­ku­lose getes­tet
Bei einem Jugend­li­chen im rhein­land– pfäl­zi­schen Wald­see ist offene Tuber­ku­lose (TBC) fest­ge­stellt wor­den. Der Teen­ager hatte wäh­rend eines Prak­ti­kums in einer Kita Kon­takt mit vie­len ande­ren Men­schen. Rund 100 Kin­der und etwa 50 Erwach­sene wer­den daher auf die gefähr­li­che Infek­ti­ons­krank­heit getestet.
Stei­gende Tuberkulose-Zahlen in Deutsch­land
Zwar geht die Zahl der Tuberkulose-Erkrankungen welt­weit seit Jah­ren zurück, doch noch immer ster­ben jähr­lich rund 1,5 Mil­lio­nen Men­schen an der gefähr­li­chen Infek­ti­ons­krank­heit. In Deutsch­land gab es nach jah­re­lang rück­läu­fi­gen Zah­len zuletzt stei­gende Tuberkulose-Fallzahlen, wie eine Aus­wer­tung des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Ber­lin ergab.
In Rheinland-Pfalz wurde nun bei einem 17-Jährigen offene TBC fest­ge­stellt. Da der Jugend­li­che zuvor Kon­takt zu zahl­rei­chen Per­so­nen hatte, müs­sen nun rund 150 Kin­der und Erwach­sene auf die anste­ckende Krank­heit getes­tet werden.
Bei einem 17-jährigen Jugend­li­chen im pfäl­zi­schen Wald­see wurde offene Tuber­ku­lose fest­ge­stellt. Nun müs­sen rund 150 Per­so­nen, die mit dem Teen­ager Kon­takt hat­ten, auf die anste­ckende Krank­heit getes­tet wer­den. (Bild: DOC RABE Media/fotolia.com)
Infi­zier­ter Teen­ager könnte viele andere Per­so­nen ange­steckt haben
Etwa 100 Kin­der aus einer Kita im pfäl­zi­schen Wald­see müs­sen sich nach dem Kon­takt mit einem an Tuber­ku­lose erkrank­ten Teen­ager auf die Krank­heit unter­su­chen las­sen, berich­tet die Nach­rich­ten­agen­tur dpa. Eine Spre­che­rin der Ver­wal­tung des Rhein-Pfalz-Kreises teilte dem­nach mit, dass auch rund 50 Betreuer, Leh­rer und andere Jugend­li­che, die mit dem jun­gen Mann Kon­takt hat­ten, einen Test machen sollten.
Den Anga­ben zufolge haben die Unter­su­chun­gen bereits begon­nen. Bis­lang sei laut einem Bericht des Süd­west­rund­funk (SWR) noch keine Anste­ckung nach­ge­wie­sen worden.
Pati­ent im Kran­ken­haus iso­liert
Bei dem betrof­fe­nen Jugend­li­chen war in der ver­gan­ge­nen Woche kurz nach sei­nem zwei­wö­chi­gen Prak­ti­kum in einer Kita eine gefähr­li­che offene Tuber­ku­lose ent­deckt wor­den. Nach Anga­ben eines Spre­chers des behan­deln­den Kli­ni­kums Lud­wigs­ha­fen gehe es dem 17-Jährigen gut. Der Her­an­wach­sende müsse noch für rund zwei Wochen iso­liert im Kran­ken­haus bleiben.
Über­tra­gung per Tröpf­chen­in­fek­tion
Bei Tuber­ku­lose (TBC) han­delt es sich um eine bak­te­ri­elle Infek­ti­ons­krank­heit, die beson­ders die Lun­gen befällt. Frü­her wurde sie auch als „Schwind­sucht“ bezeich­net. Aus­lö­ser sind soge­nannte „Myko­bak­te­rien“, wel­che über­wie­gend die Lunge befal­len und vor allem beim Hus­ten, Nie­sen und Spre­chen über­tra­gen werden.
Zu Beginn der Krank­heit zei­gen sich eher unspe­zi­fi­sche Sym­ptome wie Hus­ten, Nacht­schweiß und eine leicht erhöhte Tem­pe­ra­tur. Spä­ter neh­men die Beschwer­den zu und es kön­nen unter ande­rem hohes Fie­ber, anhal­ten­der Hus­ten mit Aus­wurf und Atem­not auf­tre­ten. Die Krank­heit ist inzwi­schen durch Anti­bio­tika gut behandelbar.
Von der Infek­tion bis Krank­heits­aus­bruch kön­nen Jahre ver­ge­hen
In Rheinland-Pfalz wur­den laut der Agen­tur­mel­dung im ver­gan­ge­nen Jahr 276 TBC-Fälle regis­triert. Davon seien 68 Erkran­kun­gen bei Asyl­su­chen­den fest­ge­stellt wor­den, wie eine Spre­che­rin des Lan­des­un­ter­su­chungs­am­tes erklärte. Der junge Mann in Wald­see war im Dezem­ber als Flücht­ling nach Deutsch­land gekommen.
Zwar wer­den Asyl­su­chende nach ihrer Ankunft in Deutsch­land rou­ti­ne­mä­ßig auf Tuber­ku­lose unter­sucht, doch bei dem 17-Jährigen sei bei der Auf­nahme in Frank­furt die Lunge mög­li­cher­weise nicht geröntgt wor­den, so die Spre­che­rin der Kreisverwaltung.
Die Krank­heit kann bei Unter­su­chun­gen aber ohne­hin über­se­hen wer­den, da von der Infek­tion bis zum Aus­bruch von TBC Jahre ver­ge­hen kön­nen. Wie das RKI auf sei­ner Web­seite schreibt, kann es sogar noch „Jahr­zehnte nach der Infek­tion“ zu einer Erkran­kung an Tuber­ku­lose kom­men, vor allem dann, wenn das Immun­sys­tem geschwächt ist. (ad)